Erzbischof Oskar Saier

Als Erzbischof Oskar Saier starb, durfte ich als Bürger von Buchenbach für seine Heimatgemeinde einen Bildband zum Abschied von Erzbischof und Ehrenbürger Oskar Saier herausgeben.
Zwei Jahre später konnte ich als zuständiger Sachbearbeiter im Baureferat des Erzb. Ordinariates den Neubau Ihres Kath. Gemeindezentrums Erzbischof Oskar Saier intensiv begleiten. Aufgrund meiner „Nähe“ zu Erzbischof Oskar Saier hat mich Pfarrer Hoyanic um einen Beitrag für diese Festschrift gebeten. Dies tue ich gerne, aber nicht mit meinen eigenen Worten, sondern mit Statements aus dem Munde enger vertrauter Personen unseres langjährigen Oberhirten.

Martin Müller

„Oskar Saier war ein gütiger Mensch und ein großer Bischof“

 

Er wusste immer um den Reichtum und die Farbigkeit des konkreten Lebens, die Einzigartigkeit der Begabungen, den spezifischen Beitrag der einzelnen Christen. Er hat allen Geistesgaben immer wieder großzügigen Raum zur Entfaltung gegeben und sie beschützt. Aber er war zugleich ein leidenschaftlicher Anwalt der Einheit, wenn Verschiedenheiten sich absolut setzen und aufblähen wollten. Dann konnte er entschieden zur Einheit aufrufen.
Oskar Saier war ein Mann des Hinhörens und des Zuhörens. Er hatte sich auch in langen Jahrzehnten hoher Verantwortung ein offenes Ohr bewahrt. In wichtigen Entscheidungen gab es nie eine falsche Routine. Er konnte schweigen und zusehen, um etwas wachsen zu lassen, bis eine Entscheidung anstand. Endloses Reden und Debattieren war bei aller Gesprächsoffenheit freilich nicht sein Geschäft. Der immer ernsthafte Dialog, den er auf allen Ebenen sorgfältig vorbereitete, sollte zu einem Ziel führen. Diesem Ziel dienten unendlich viele einzelne Gespräche mit Laien und besonders allen Schwestern und Brüdern im pastoralen Dienst, zumal den Priestern. Aber es war auch das Grundgesetz bei der Durchführung des Freiburger Diözesanforums (1991/92). So hat Oskar Saier eines der größten Bistümer in unserem Land mit der nötigen Kraft und der nicht weniger notwendigen Gelassenheit geführt. Dabei hat er sich selbst immer wieder zurückgenommen. Seine Person wurde nie Anlass zum Streit. So war sein Führungsstil bei aller Wahrnehmung der Verantwortung und bei aller Wirksamkeit unauffällig und geradezu still. Er war ein Mann der leisen Töne. Aber dies konnte bei seiner Wachheit nicht heißen, dass er in entscheidenden Situationen der Kirche und der Gesellschaft nicht zu einem bedächtigen, klaren und klugen Wort griff.
Stets hat der Erzbischof von Freiburg eine tiefe Solidarität empfunden mit den bedrängten und leidenden Menschen in aller Welt. Dies hat sich seit 1986 besonders konkret ausgeformt in der Patenschaft des Erzbistums Freiburg zur Kirche Perus. So wurde Erzbischof Oskar Saier im Jahr 2002
die seltene Auszeichnung eines Ehrenmitglieds der Peruanischen Bischofskonferenz zuteil.

Und was wäre “communio” ohne das Band der Einheit mit dem Zentrum der Weltkirche und ganz besonders mit dem Nachfolger Petri persönlich? Auch hier gilt, dass der Erzbischof von Freiburg bei aller eigenen Verantwortung sich gehorsam und demütig einzuordnen wusste in das Ganze der Weltkirche, dass er aber zugleich offen und mutig die Anliegen und Belange der Kirche in unserem Land zu Gehör brachte. Dies alles hat er stets mit Ruhe und Bescheidenheit, Sorgfalt und Diskretion vorgetragen.
Es war ein großer Verlass auf ihn.

Über 35 Jahre als Weihbischof und Erzbischof einer so großen Diözese war eine große Last. 50 Jahre des unablässigen geistlichen Dienstes stehen dahinter: Kaplan in Reiselfingen, Mosbach und Freiburg, sieben verantwortungsvolle Jahre als Regens des Priesterseminars in St. Peter.
Da gibt es gewiss viele hohe Ereignisse, wie z.B. die pastorale Initiative “Miteinander Kirche sein für die Welt für heute” (1989) und “… damit sie auch morgen glauben können”, schließlich gegen Ende die Feier des 175-jährigen Bestehens der Erzdiözese Freiburg (2002) mit dem Programm “Das Jubiläumsjahr des Bistums als “Zeit zur Aussaat”” und der unvergessliche Katholikentag von 1978 mit dem Thema “Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben”. Aber nur wenige können ermessen, was in den 24 Jahren seit der Ernennung zum Erzbischof tagtäglich an Gesprächen, kleinen und großen Entscheidungen, Termin-Verpflichtungen und Verlautbarungen notwendig war. Hinzu kommen verschiedene Personalgespräche, mühselige Verhandlungen und ein sorgfältiges Beobachten der kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Situationen. Dabei sind die vielen Gemeindebesuche, die Gottesdienste und die Firmungen in den tausend Gemeinden nicht wegzudenken. Sie sind das Herz der Tätigkeit eines Bischofs. Auch hier knüpfte Oskar Saier immer wieder neu “das Band der Gemeinschaft”.

Oskar Saier hat nie verleugnet, aus einer Bauernfamilie zu kommen und durch und durch ein Schwarzwälder zu sein.

Vielleicht ist es nicht der geringste Verdienst Oskar Saiers, wie er über Jahrzehnte unter uns und mit uns als Christ gelebt hat. So hat er verwirklicht, was der Heilige Paulus im Römerbrief geschrieben hat:
“Keiner von uns lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber: Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn.” (Röm 14,7 f.).

Kardinal Karl Lehmann beim Pontifikalrequiem am 10.01.2008
Ein Mann des Hinhörens: Predigt (gekürzt) bei der Beisetzung am 10. Januar 2008 im Münster,
in: Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg (Hg.), Erzbischof Oskar Saier (1932-2008), Freiburg i.Br. 2008, 19-30.

Erzbischof Oskar Saier war ein großer Kenner und Freund der Natur. Wenn er zu einer Firmung oder zu einem anderen Gottesdienst unterwegs war, hat er im Auto so manche Detailkenntnisse zum Besten gegeben,
vor allem in seinem geliebten Schwarzwald, aber auch in anderen diözesanen Landschaften.

 


Johannes Mette, ehemaliger Erzb. Sekretär

 

Typisch für seine Zurückhaltung und seine jederzeit korrekte Einhaltung geschriebener wie ungeschriebener Gesetze ist eine kleine Episode,
die sich im Frühjahr 2007 am Rande der Mitgliederversammlung des Kirchengeschichtlichen Vereins zutrug: Als Erzbischof em. Oskar Saier die noch leere Anwesenheitsliste in die Hand gedrückt wurde, unterschrieb er nicht etwa als Erster, sondern stand auf und trug die Liste zum ebenfalls anwesenden Erzbischof Robert Zollitsch, damit dieser auch hier den ihm gebührenden ersten Platz einnähme.

Christoph Schmider, Direktor des Erzb. Archivs


Einer seiner Peru-Reisebegleiter dachte, nicht ganz uneigennützig, schon beim Kofferpacken auch an die Heimatverbundenheit, nicht zuletzt:
des Erzbischofs. Als dieser Weitblickende im besagten Pfarrhaus Lima eines abends aus den Tiefen seines Koffers einige Fläschchen Rothaus-Pils und einen Schwarzwälder-Speck heraus holte, strahlte der Erzbischof.

Thomas Belke, ehemals Referat Weltkirche


In Dankbarkeit erinnere ich mich sehr gerne an unseren Erzbischof em. Oskar Saier. Er war ein liebenswerter, stets freundlicher Mensch. Wenn man ihm auf den Fluren des Ordinariates begegnete, grüßte er stets freundlich. Nicht selten galt dieser Gruß auch der Familie. Er war wirklich ein einfühlsamer Bischof und hatte für die Belange seiner Schäfchen ein offenes Ohr. Seine bescheidene, tief religiöse Art hat vielen Menschen sehr beeindruckt: auch mich.

Eine Mitarbeiterin aus dem Erzb. Ordinariat
Eintrag im online Kondolenz-Buch